Das Arbeitszeugnis – ein Überblick

Jeder Arbeitnehmer kann spätestens zum Ablauf der Kündigungsfrist von seinem Arbeitgeber die Erteilung eines Zeugnisses verlangen, § 109 Abs. 1 GewO.

Dabei sind jedoch bestimmte Anforderungen zu erfüllen:

1. Form des Zeugnisses
Das Zeugnis muss zunächst grundsätzlich in schriftlicher Form erteilt werden, eine Ausstellung in elektronischer Form ist gemäß § 109 Abs. 3 GewO ausdrücklich ausgeschlossen. Es darf darüber hinaus keine Rechtschreibfehler enthalten, das Ausstellungsdatum ist anzugeben und es ist persönlich vom Aussteller zu unterzeichnen. Des Weiteren ist das Firmenpapier zu verwenden.

 2. Inhalt

§ 109 GewO schreibt zunächst Folgendes vor:

Zunächst ist zwischen dem einfachen und qualifizierten Zeugnis zu unterscheiden:

  • Einfaches Zeugnis: Dieses erstreckt sich lediglich auf die Art und Dauer der Beschäftigung. Aus diesem muss Folgendes hervorgehen:

–   Person des Arbeitnehmers mit dem vollständigen Namen
–   Beruf und akademischer Grad
–   Anschrift
–   Geburtsdatum
–   Art der Beschäftigung – genaue und vollständige Beschreibung
–   Dauer des Arbeitsverhältnisses

  • Qualifiziertes Zeugnis: Das qualifizierte Zeugnis erfordert darüber hinaus Angaben zum Verhalten und der Leistung des Arbeitnehmers im Arbeitsverhältnis

Bezüglich der Beurteilung der Leistung des Arbeitnehmers hat sich eine Notenskala in der Praxis entwickelt:

Im Übrigen sind sog. Geheimzeichen, d.h. verschlüsselte Formulierungen, im Zeugnis unzulässig. Der Arbeitgeber ist zwar grundsätzlich frei in seinen Formulierungen, allerdings hat die Rechtsprechung zahlreiche Gepflogenheiten herausgearbeitet, die der Arbeitgeber zu beachten hat. So darf ein Zeugnis „keine verschlüsselten Formulierungen enthalten, die nach dem objektiven Empfängerhorizont eine andere Bedeutung als nach dem Wortlaut haben“ (Urteil des BAG vom 15.11.2011, Az.: 9 AZR 386/10). Formulierungen wie beispielsweise „gesellig“ oder „enge Kontakte zur weiblichen Belegschaft“, die auf Alkoholkonsum und Belästigungen weiblicher Mitarbeiter schließen lassen, sind damit unzulässig.

Als verbotenes Geheimzeichen wird ebenfalls angesehen, wenn bei einem Zeugnis, welches die Leistungen mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertet, die Dankes- und Wunschformel fehlt (Urteil des LAG Düsseldorf vom 03.11.2010, Az.: 12 Sa 974/10). Die Rechtsprechung des BAG ist jedoch eine andere: Dort wird ein Anspruch auf eine abschließende Bedauerns- und Dankesformel ausdrücklich abgelehnt. Dennoch sollte der Arbeitgeber im Falle eines „guten“ oder „sehr guten“ Zeugnisses auf eine solche Formel nicht verzichten.

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